Isa Dahl

 

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  Dr. Sabine Heilig: Textauszug aus Katalog Isa Dahl JETZT , 2013

Über den Umgang mit der Farbe

„Ich mache nichts anderes als zu malen und wenn ich nicht male, dann denke ich darüber nach.“ (Isa Dahl 2012)

Ob Naturraum oder Stadtraum, Isa Dahls Blicke fallen auf Unspektakuläres, Kleinigkeiten am Wegesrand, städtische Winkel, Orte, die meist als uninteressant und belanglos links liegengelassen oder übersehen werden. Von diesen Orten macht sich die Malerin ein Bild, oft mit dem Fotoapparat, dessen Aufnahmen ihr als Erinnerungsspeicher dienen. 
Das Thema der Zeit, das in der Expressivität ihrer Malerei, in der dargestellten Bewegung im Bild sowie in der Vorstellung des abgelaufenen Entstehungsprozesses Ausdruck findet, ist ein wesentliches Element ihrer Malerei. Isa Dahl malt konzentriert, mit weit ausholenden Gesten, die das Bildmaß abmessen. Körpergefühl und Bildgefühl sind bei Isa Dahl eins. Ihr Tempo bestimmt das Tempo des Bildes, das in einem Zug, ohne lange Unterbrechungen gemalt wird. Korrigiert wird nur im Malprozess selbst. Im In-, Über- und Untereinander der Pinselbahnen und Farbschichten, im streifigen, verwischenden und sich konzentrierenden Liniengeflecht manifestiert sich ihre unverkennbare und ganz individuelle Sprache. Mit der Spur eines Goldfisches im Wasser1 könnte man sie vergleichen oder mit dem Flug einer Fliege, die kreisend ihren Landeplatz taxiert. 
Isa Dahl geht nahe heran an ihre Motive. Der Betrachter verstrickt sich in ihren atmenden Linienschwüngen, wird hineingezogen ins Bild. Ihre Bilder betrachte man nicht einfach, sondern man würde von ihnen aufgenommen2, heißt es. Die Farben pulsieren, der Bildraum bewegt sich vor und wieder zurück. Trotz allem nach außen hin so scheinbar Impulsiven muss klar sein, dass Isa Dahl eben keine intuitive Malerei betreibt. Kleine Zeichnungen mit Tusche, in Pastellkreiden oder Buntstiften bereiten die Kompositionen vor. Die Skizzen dienen der Systematik des Bildaufbaus.
Dabei lässt sich die Malerin in ihrem Tun von der Farbe und ihren Eigenschaften leiten. Wichtig ist ihr, „... nur dieses Umgehen mit der Farbe, wie sie reagiert, wie sie ineinanderfließt oder hart nebeneinandersteht, wie sie riecht, das ist einfach alles wunderbar“3, sagt sie darüber. Isa Dahl verwendet keine reinen Farben, sondern Farbmischungen, die auf der Leinwand zu wieder neuen Mischungen vermalt werden. Ihre Palette besteht überwiegend aus den Primärfarben Rot und Gelb sowie den Sekundärfarben Grün und Orange. Also Farben, die als warm (Rot) und lichtvoll (Gelb) oder fruchtbar (Grün) beschrieben werden.
Allein die vielen farblichen Abstufungen innerhalb der Bilder von Isa Dahl, welche die verwendeten Farben einander annähern, spiegeln den Facettenreichtum ihrer Malerei und das breite Spektrum ihrer Wirkungen. Die luziden Farbschichten in ihren Bildern, aus denen heraus das Licht den Bildraum gleichmäßig ausleuchtet, erzeugen eine räumliche Spannung. Sich konzentrierende Farbspuren und –schlieren lenken den Blick des Betrachters zu immer tiefer liegenden Bildschichten. Die Unendlichkeit des Bildraumes, die die Künstlerin mit dieser Art der Malerei erzeugt, macht selbst vor den Begrenzungen der Bildfläche nicht halt. Formabbrüche und –überschneidungen am Bildrand bewirken einen ausschnitthaften Eindruck.


1 Isa Dahl in: Katalog SüdWestGalerie 2002, S. 21
2 Zur Ausstellung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, 2012
3 Katalog der Stadt Waiblingen, 2003, o.S.

© Dr. Sabine Heilig, Nördlingen

About interacting with colour

“I don’t do anything except paint. And when I am not painting, I am thinking about painting.” (Isa Dahl 2012)

Whether nature or urban space, Isa Dahl’s glance falls on unspectacular, trivial things at the roadside, in dark corners of the city, places that are usually uninteresting and forgotten or that have simply been overlooked. The artist often takes pictures of such things and uses these images to remind her.
The subject of time is a fundamental element of her art work, expressed by the eloquence of her painting and in the movement depicted in her work, as well as in the creative process itself. Isa Dahl paints in a very concentrated way, with wide sweeping gestures that measure the dimensions of the image. For Isa Dahl, body and image are one. Her speed determines the speed portrayed in the image, which is painted in one long stroke without any long pauses. Corrections are only carried out during the painting process itself. Her unmistakeable and unique style manifests itself in the in, over and overlapping of the brush strokes and layers of colour, in streaks, disappearing and concentrated webs of lines. One could compare them to the trail of a goldfish in water,1 or with the flight of a fly circling down to its chosen landing place. 
Isa Dahl gets up close to her subject. The observer gets lost in her brush strokes and is drawn into the painting. It could be said that one cannot simply look at her paintings, but rather that one is absorbed by them.2 The colours pulse, and the spatial dimensions of the image appear to make it move forwards and backwards; but despite their seemingly impulsive aesthetic, it must be made clear the Isa Dahl is not an intuitive painter. Small drawings in Indian ink, pastels or coloured pens help to prepare the composition. The sketches serve as part of the systematic development of an image. Although, the artist does let herself be influenced by the colours and their own distinct characteristics. It is important that, “... this interaction with colours, how they react, how they flow into one another or exist next to each other, how they smell, that is all simply wonderful”3  says Isa Dahl. She uses no pure colours, but rather mixtures of different colours that in turn are mixed anew when applied to the canvas.
Her palette comprises mainly the primary colours red and yellow, as well as the secondary colours green and orange. So colours that can be described as warm (red) and bright (yellow) or fertile (green). 
In Isa Dahl’s paintings, just the shades of colours alone bring the solid colours closer together and reflect the multifaceted nature of her paintings and the wide spectrum of their effect. The spatial tension in her paintings is created by lucid layers of colour, which emit an even light from within the spatial depths. Concentrated traces of colour and streaks of paint control the perspective of the observer, guiding them towards the deeper layers within the image. The infinity of the spatial dimensions, created by the artist’s painting style, is not controlled by the boundaries of the canvas. Interruptions in the style and overlaps at the edge of the paintings give them an almost ‘cut-out’ appearance.  

1 Isa Dahl in: Katalog SüdWestGalerie 2002, S. 21
2 Zur Ausstellung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, 2012
3 Katalog der Stadt Waiblingen, 2003, o.S.

© Dr. Sabine Heilig, Nördlingen

 

   
  Isa Dahl zeigt drei ihrer seriellen Werkgruppen in den Räumen des Museums: „Augenblicke lang“ die tondoförmigen Rundbilder „eben still“, und Arbeiten aus der Serie „in Sicht“
Bereits an den Titeln ist der transitorische Charakter ihrer Bildmotive ablesbar.
In den Rundbildern wird der Blick des Betrachters durch eine undefinierte, aus dem Zentrum gerückte „Leerstelle“ fokussiert. Der Tiefenraum wird darüber hinaus durch die für Dahls Malweise charakteristische Lasurtechnik und die räumlichen Überlagerung der Strukturen erzeugt, die zum Bildhintergrund hin unscharf werden. Auf diese Weise entsteht ein perspektivischer Raumkörper, von dem der Betrachter angezogen und mehr noch: in den er hineingesogen wird. Die runde Bildform, rotierenden Strukturen als auch die Blickführung des Betrachters sorgen für einen konzentrierten energetischen Ausgleich von Ruhe und Dynamik, Stabilität und Labilität: „eben still“.
In „Augenblicke lang“ wird die Wahrnehmung des Betrachters nicht durch einen „Blickanker“ fokussiert, vielmehr wird – vor allem in einigen Bildern der hochrechteckigen Formate – der Bildraum in seiner ganzen Weite entfaltet und durch die ausholende Gestik der Pinselstriche aufgeladen. Dies geschieht vor einem Hintergrund, dessen abstraktfarbiges Changement die bis zur Dramatik gesteigerte Expressivität der Pinselstriche als leuchtende Folie mit unbestimmter Räumlichkeit hinterfängt. Im Vergleich zur Serie „eben still“ wirken die verschlungenen Strukturen weniger fest umrissen, labiler, spontaner, gestischer, tritt die Formulierung der Strukturen als „brushstrokes“, als reine Malerei stärker in den Vordergrund. „Augenblicke lang“ sind gestische Erzählungen ohne Anfang und ohne Ende, sind scheinbar zufällig gewählte Ausschnitte aus der Flut des Vorhandenen und Gesehenen.
Verdichtung und Expansion im Kontext von Farb- und Strukturräumen – diesen Grundverfassungen bildnerischen Gestaltens begegnen wir in den unterschiedlichen Werkgruppen Isa Dahls immer wieder aufs Neue. So zeigt die Serie „In Sicht“ der Schwerkraft unterworfene, hängende Geflechte von großer Leichtigkeit. Auch wenn die Binnenräumlichkeit dieser Arbeiten den Betrachter an nestartige Gebilde erinnert, sollte ihn die Darstellung eines vermeintlich konkreten Bildgegenstandes nicht über die genuin malerischen Intentionen der Künstlerin hinwegtäuschen. Auch in dieser Serie geht es Isa Dahl um die Auslotung eines raumzeitlichen Bildkontinuums durch Form und Farbe, um labile Gleichgewichtszustände, hervorgerufen durch die an sich paradoxe Arretierung flüchtiger Momente im Medium des Tafelbildes, um die konkrete Präsenz und körperlich erfahrbare Intensität leuchtender Farbräume.

© Dr. Velten Wagner, Kunstmuseum Engen
aus dem Katalog: Blow Up, Hrsg.Städtisches MuseumEngen + Galerie, 2006.

 

   
  Wenn man Isa Dahl zunächst den abstrakt arbeitenden MalerInnen zuordnen würde, drängt es sich auf, das Gemälde mit diesem Bild aus der Natur zu beschreiben. Isa Dahl nutzt in ihren Arbeiten gerade dieses Changieren zwischen Abstraktion und Realitätsbezug für eine differenzierte Beschäftigung mit Farbe, Raum und Struktur in der Malerei.
Sie arbeitet in einer Lasurtechnik, die ein schnelles und konzentriertes Handeln verlangt. Schicht um Schicht der transparenten Farbe wird aufgetragen. In ihren Gemälden erreicht sie dadurch eine enorme Bildtiefe und große Leuchtkraft.
Dies kann das Thema von Licht und Dunkel sein, das sie noch vor einigen Jahren intensiver beschäftigt hatte, oder die Auseinandersetzung mit der spezifischen Leuchtkraft jeder einzelnen Farbe und ihrer Möglichkeiten, wie dies in den jüngeren Bildern zu beobachten ist.

© Dr. Matthia Löbke, Kunstverein Heilbronn
aus dem Katalog: European art from Germany, 20 Positionen zeitgenössischer Malerei,
Hrsg. ECB Europäische Zentralbank Frankfurt am Main, 2004.

 

   
  Isa Dahls Bilder handeln nicht nur von der Malerei als Malerei; sondern die Art der Darstellung ist von entscheidender Bedeutung, spielt sie doch mit Errungenschaften der Klassischen Malerei, deren Tradition sie aufgreift und in einen neuen Kontext setzt.
Es geht um die Wirkung von Farbe als autonomes Medium und um die Erzeugung von Wirklichkeit, die eine gewisse Verwandtschaft zu Sehmustern besitzt, die in unserem Hirn gespeichert sind.

© Dr. Helmut Herbst, Waiblingen
aus dem Katalog: Isa Dahl, eben still, Städtische Galerie „Kameralamt“, Waiblingen, 2003.

 

   
  Isa Dahl baut ihre Bilder aus unzähligen Farbschichten auf. Schlieren, Wischer, Einschlüsse, die Spur des Pinsels , der bewegte, schnelle Duktus - all dies sind wesentliche Elemente der Bildgestaltung; rücken den Malprozess in den Mittelpunkt der künstlerischen Intention und auch der Seherfahrung des Betrachter.

Die Farbe ist für Isa Dahl nicht einfach deren farbliche Erscheinung.
Es interessiert sie gleichwertig ihre Materialität, Konsistenz, Dichte, Oberfläche, Räumlichkeit, Bewegung und Lichtfülle, aber auch deren Verhältnis zur Textur des Bildträgers, die simultane Vielfalt oder die sinnliche Wirkung der Farben, d.h. die Arbeit mit und das Erlebnis der Farbe sind das Primäre.
Eine mehrfach strukturierte entstofflichte Bildräumlichkeit entsteht, aus deren Tiefe ein geheimnisvolles, farbiges Leuchtlicht geheimnisvoll aufscheint. Der Blick wird in das Bild hineingezogen und ruht doch immer wieder auf der Oberfläche der letzten glänzenden Malschicht. Es ist dieses geheimnisvolle Leuchtlicht, das Isa Dahls Gemälden eine eigentümliche, verweisende Intensität verleiht. Es entstehen Werke, die Stille einfangen, die Stille speichern und diese Stille wieder ausströmen.
Die Polivalenz dieser Bilder zwischen Erinnerung und malerischer Auflösung, zwischen Erscheinung und Orozess, zwischen Farblicht und Oberfläche, Raumtiefe und Struktur, zwischen „reiner Malerei“ und Transzendenz ist es, die ihnen zugleich Eigenständigkeit wie Zeitbezug verleiht.

© Christoph Bauer, Kunstmuseum Singen
aus dem Katalog: Isa Dahl. Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendium 2000,
“Farbe, Licht, Raum, Struktur.Einige Bemerkungen zur malerischen Intensität Isa Dahls“, 2000.

 

   
  Die Einfachheit der Formen in Isa Dahls Bildern überrascht, ja verblüfft, weil zugleich die malerische Wirkung -von der Fläche in den Raum hinein- ganz außerordentlich ist.
Das Spiel der Farbe um die Kontur, die Lichtfugen, die diszipliniert verlegt sind, der Tiefenraum, der von der Künstlerin erzeugt wird, das alles macht dir seltsam ruhige Ausdruckskraft der Bilder aus.

© Günther Wirth
aus dem Katalog:Räume Innen Aussen Räume “Der Raum als Bildwirklichkeit“, Esslingen, 1997.

 

   
  Isa Dahl arbeitet seriell und stur an Strukturen und Zwischenräumen. Das Thema wird in einer beispielhaft radikalen Systematik aufgegriffen und durchgespielt. DasErgebnis, als Hell-Dunkel-Kontrast einfachster Strukturen in.Naß-in.Naß-Technik erzeugt, ist simpel, in sich logisch und klar. Immer sucht sie nach der Farbtiefe, nach dem imaginären Bildraum. Es ist “nur“ pure Malerei, ist “nichts“ als Abstraktion.

© Dr. Helga Meister, Düsseldorf
aus dem Katalog: Das banale Schöne, “Isa Dahl-Lichtgründe“, Düsseldorf, 1997.

 

   
  ....Die Dahl erfindet die „grüne Stunde“. Grünschwelende Zeit, wenn der Abend noch nicht Nacht geworden ist. Mit all ihren grünen Schmetterlingsnetzen und Fischreusen stellt die Dahl Fallen und fängt Geheimnis ein. Gut tuende und keineswegs langweilige Stille verfängt sich in Isa Dahls Netzwerk. Schatten, Böcklinische Zypressen-Schattenreiche verfangen sich in den Dahl-Farb-Maschen.

© Joachim Burmeister
aus dem Katalog: Isa Dahl- Nach Firenze, Katalog, “Das Florenz der Isa Dahl“,
hg. Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, 1996.

 

   
  Intensives Arbeiten, umfangreiche Bilderserien - nichts skizzenhaft Unfertiges, immer ausgeführte Taten.
Von einer Grundfigur abgelöste Einzelvorstellungen werden durch das Malen neu verschmolzen. Das permanente malerische Handeln ist das Entscheidende.
Es ist keine Malerei der Einfälle, der vorgeführten oder verborgenen Inhalte. Verborgen wird die Bildtiefe, gezeigt wird der Pinselstrich.
Der minimal eingesetzte Illusionismus bewirkt eine Oberflächenvergrößerung für die Entfaltung einer malerischen Struktur.
Wirklichkeitszitat und Selbstbehauptung der Malerei verbinden sich und werden durch das all over painting mit dem Format verklammert.
Die Bilder werden zunehmend komplexer, eigenartiger, dabei malerisch reiner, großzügiger.
... eine geistige Produktion, die sich selbst zu verproviantieren beginnt, ohne anämisch zu werden...

( Ludwig Hohl, Vom Arbeiten Bild )

© Dieter Krieg
aus dem Gutachten zum Graduiertenstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen, 1993.