Isa Dahl

 

 

 

Eröffnungsrede Adrienne Braun, wider und Welt, Galerie Abtart, Stuttgart, 2019

Ich hoffe, Sie sitzen oder stehen sicher, haben festen Boden unter den Füßen. Denn Kunst kann uns bewegen, erschüttern, aus dem Lot bringen. Sie vermag es, unseren Geist zu irritieren und auf ungekannte Pfade zu locken.
Jaja, mögen Sie denken, das ist jetzt wieder das übliche Kunsthistorikergeschwätz, bei dem allzu gern darauf verwiesen wird, dass Kunst an Sehgewohnheiten rüttle, dass sie Selbstverständliches hinterfrage und uns unter Umständen gewaltig zusetze, damit wir uns aus unseren eingefahrenen Bahnen heraustrauen.

Aber wenn Daniel Wagenblast Revolver in den Ausstellungsraum hineinzielen lässt, dann merken wir ganz unmittelbar und physisch, wie Kunst auf uns einwirken und manipulieren kann. Denn etwas in uns geht sofort auf Rückzug. Wir reagieren reflexhaft, fühlen uns unbewusst angegriffen, bedroht und treten innerlich automatisch einen Schritt zurück. Die Wirkung dieser Reliefs ist gewaltig – und es dauert einen Moment, bis wir die Situation begriffen und uns vergegenwärtigt haben, dass es sich um Holzobjekte handelt – und nicht um eine reale Bedrohung.

Damit darf ich Sie herzlich willkommen heißen bei der Ausstellung von Isa Dahl und Daniel Wagenblast. Ein bewährtes Duo, beide sind sie keine Unbekannten hier in der Galerie und in der Kunstszene an sich. Zwei grundverschiedene Positionen:
Isa Dahl malt, fast meditativ scheint sie die Pinselstreifen auf der Fläche zu entwickeln. In pulsierendem Rhythmus wölben sich ihre Farbbänder auf zu Falten und Schlaufen. Die zart linierten Streifen erinnern an Blätter, an Florales, aber auch an Blicke durchs Mikroskop auf organisches Gewebe, Fasern, Algen, Mikroorganismen. Leicht und luftig, fast entmaterialisiert und wie ein Hauch tänzeln diese Strukturen mitunter über die Fläche.

Daniel Wagenblast ist dagegen ein durch und durch handfester Künstler. Er schafft Objekte, die den Raum in Besitz nehmen und physisch greifbar sind. Es sind selbstbewusste und präsente Skulpturen, die auch erzählerisch sind, dramatisch zugespitzt. Figuren mit scharfkantigen Schwertern, ungleiche Paare, bei denen allein der Größenunterschied der Figuren beredt ist und Spannung erzeugt, fast aggressiv.

Und doch haben die Arbeiten von Isa Dahl und Daniel Wagenblast etwas gemeinsam: Sie setzen sich in Bezug zu uns. Es sind keine hermetischen Kunstpositionen, die nur für sich, den Kunstbegriff oder den Kunstbetrieb existieren, sondern sie binden dezidiert die Rezipienten ein und forcieren nachgerade eine Reaktion.
Nicht immer lassen sich auf Anhieb die Interaktionen der Figuren von Daniel Wagenplast interpretieren. Aber die physische Kraft dieser Szenen ist enorm. Es ist weniger die inhaltliche Botschaft als die Strahlkraft der Skulpturen, die körperliche Energie, die sich unmittelbar überträgt.

Oftmals sind die Figuren schnell, gar grob konturiert, was ihren Ausdruck nur noch unterstreicht. Die Nase groß, der Kiefer stark, die Haare abstehend wie im Flug – und schon hat Daniel Wagenblast der Szene eine Entschlossenheit eingeschrieben, die von energischem, vielleicht gar gewaltvollem Handeln erzählt. Die Brüste der Liegenden sind allzu prall, kokett aalt sie sich und wirft ihre Mähne nach hinten, aber die dicken, tapsigen Füße verraten doch auch ein ungelenkes Menschlein, das vielleicht doch nicht so mondän und schillernd ist, wie es vorgibt zu sein.
Und dann diese bewaffneten Hände. Es sind, natürlich, Männerhände, an denen Blut klebt. Ein Sujet, das in Ausstellung eher ungewöhnlich ist: Knarren gehören ins Entertainment, zum Krimi, aber nicht in die Bildende Kunst – schon gar nicht in solch dramatischen Szenen, so drastisch, theatralisch, laut.

Der Kontext fehlt, Daniel Wagenblast hat sich auf die Geste konzentriert, auf den Moment der Bedrohung. Worauf spielt er an? Auf Straßenkriminalität, Drogenbosse, harte Kerle? Dazu passen das brennende Auto, die Figur, die Öl ins Feuer zu gießen scheint und einen Flächenbrand provoziert. Diese Objekte evozieren ganz unmittelbar Straßenschlachten, die Proteste der Gelbwesten in Frankreich, Gewalt im Hamburger Hafenviertel.

Sicher ist: Daniel Wagenblast provoziert uns, bedroht uns. Der Pistolenlauf ist in den Raum gerichtet, als würde hier gleich wie beim Amoklauf blind in die unbedarfte, unschuldige Masse geschossen werden. Von den Flammen, die hochschlagen, scheint eine gefährliche Hitze auch für uns auszugehen. Das sind Bilder, die wir tagtäglich im Fernsehen präsentiert bekommen, nicht nur in den Nachrichten, sondern in den zahllosen Krimis, die der Mensch offensichtlich so gern sieht, dass eine ganze Industrie damit befasst ist, dramatische Szenerien zu entwickeln, spannungsgeladene Konflikte zu inszenieren und mit allen erdenklichen Mitteln diesen Moment des grauslich-süßen Schreckens und Kitzels zu provozieren.

Die Kunst hat es schwer, sich neben dieser Lust nach Action, Thrill und Horror zu behaupten – und wird doch auch gemessen an dieser immer höher geschraubten Reizschwelle. Sie sieht sich zunehmend genötigt, ebenfalls spektakulär zu sein, um ein erlebnishungriges Publikum zu befriedigen. Längst giert auch der Kunstmarkt nach Spektakel, nach Show und Event, dabei ist es doch eigentlich gerade die Qualität und das Vermögen der Kunst, uns auch mit leisem Einsatz in Bewegung zu versetzen.

So spielen diese Reliefs von Daniel Wagenblast nicht nur auf Action und Krimi an, sondern reflektieren auf ironische Weise die Funktion der Kunst und damit auch die Rolle oder auch Misere des Künstlers, der gezwungen ist, Werke zu produzieren, die unserem Erlebnishunger gerecht werden, die auffallen, aufrütteln und irritieren. „Da habt ihr’s“ scheinen uns diese bewaffneten Hände sagen zu wollen, die auf uns zu gehen und bedrängen, uns die Pistole auf die Brust setzen und fragen: „Ist es das, was ihr von der Kunst erwartet?“

Solch klare, direkte, durchaus provozierende Reaktionen auf das System an sich sind Isa Dahl fern. In einem ruhigen, extrem konzentrierten Malakt entwickelt sie ihre Formen, Schlingen und Schlaufen, die sich endlos fortzusetzen scheinen wie Organismen, die wuchern und wachsen. Isa Dahl drängt nicht in den Raum hinein, geht nicht auf uns zu, sondern arbeitet sich im Gegenteil auf der Leinwand in die Tiefe hinein. Oftmals sehen wir nur einen Ausschnitt von größeren Räumen, von denen uns nur ein schmaler Durchblick eine Ahnung gibt. Das Sichtbare verweist auf etwas, das jenseits des Rahmens stattfindet und groß und weitläufig sein könnte.

Während uns Daniel Wagenblast vor den Kopf stößt, auf uns zugeht, bedrängt, so werden wir in die Bilder von Isa Dahl hineingezogen. Mit nichts als ein paar Schlingen vermag sie uns mitzureißen. Unser Blick verhakt sich, hängt fest. Wir scheinen an dieser rosaroten Welle haften zu bleiben, als sei sie zuckrig und klebrig. Wir werden vom Olivegrün eingefangen wie von Algen, die sich unter der Wasseroberfläche um unsere Beine schlingen. Dann wieder fühlt man sich an Luftgeister erinnert, die über die Fläche jagen und uns mitreißen mit geheimnisvollem Sog.

Diese Schlaufen und Strukturen mögen leicht und harmonisch schwingen, und doch sind sie abgründig und ambivalent. Das liegt zum einen an den Formaten. Wir haben es nicht mit den gängigen, wohlig proportionierten Standardmaßen zu tun, bei denen Höhe und Breite in einem entspannt austariertem Verhältnis stehen. Bei Isa Dahl sind die Formate oftmals zu schmal oder zu flach, wodurch der Effekt erzeugt wird, dass das Motiv nachgerade in den Bildausschnitt gepresst wurde.

Es entsteht der Eindruck klaustrophobischer Enge. Die Bildränder beschränken den Blick, grad so, wie wenn man durch einen Schlitz in ein fremdes, geheimnisvolles Universum lugte.

Dann wieder greift Isa Dahl zum quadratischen Format. Doch auch hier stellt sich ein Gefühl der Enge ein. Die gewellten Formationen wölben sich so energisch auf, dass kaum Luft bleibt. Diese Farbschlingen bäumen sich auf und wachsen in die Höhe wie Architektur, sie treiben weiter wie die Wellen eines Flusses. Selbstbewusst, kraftvoll und enorm dynamisch sind diese Bildwelten.

Die einzelnen Schlaufen entwickeln sich immer weiter, formieren sich zu einer Armada, in der das Einzelne aufgeht in einem großen Ganzen, zu einer gemeinsamen Bewegung wird, die mal kraftvoll in die Zukunft marschiert, mal wie bei einem breiten Fluss dahin fließt, immerfort und ohne Halt.

Wie beiläufig lädt Isa Dahl ihre Bilder mit enormer Spannung auf. Denn sie zeigen einerseits Dynamik, Kraft, die etwas zu bewegen vermag. Sie lassen aber auch die darin brodelnde Gewalt und Unausweichlichkeit anklingen, es kann schließlich sehr ungut sein, wenn alle gleichgeschaltet in eine Richtung marschieren. Selbst wenn die Farben hell, licht, süß sind, grundiert sie eine Schärfe. Und auch wenn ein freundlicher, gelber Lichtstreif Hoffnung weckt, wird doch zugleich unsere Furcht vor der Unendlichkeit und dem nicht Fassbaren geschürt.

Dabei erzählen diese Bilder aber auch vom Wunder der Malerei, die mit nichts als etwas Farbe auf der Fläche Räume entstehen lässt. So, wie Daniel Wagenblast plastische Formen aus dem Holz herausholt, so vermag auch die Malerei Räume und Volumen erschaffen, zu denen wir uns körperlich in Bezug setzen. Die Sprache gerät hier schnell an ihre Grenzen, es lassen sich kaum geeignete Begriffe finden für diese Motive. Diese ästhetischen Phänomene existieren jenseits der Sprache und wirken subkutan. Sie zielen direkt durch ihre sinnliche Intensität auf unsere Emotionen und be-rühren uns.

Da ist es also auch wieder, diese Kraft der Kunst, die erschüttern, bewegen, uns körperlich in Bewegung setzten kann – und damit letztlich das Denken anstoßen. Deshalb lassen Sie sich in die Bilder von Isa Dahl hineinziehen, um aus sicherer Position heraus am eigenen Leib erleben zu können, wie leicht wir uns mitunter mitreißen lassen von einer Energie, die vielleicht auch ins Negative umschlagen kann. Spüren Sie die physische Präsenz der Skulpturen von Daniel Wagenblast, Setzen Sie sich in Bezug – und Sie werden dabei durchaus auch etwas über sich selbst erfahren und die unsichtbaren Kräfte, die hier auf uns einwirken.

Adrienne Braun

© für alle Texte liegen bei dem jeweiligen Autoren

 

   
 

Eröffnungsrede Dr. Irmgard Sedler, Von der Möglichkeit einer neuen Wirklichkeit, Galerie Cyprian Brenner, 2019

Vernissage Isa Dahl, Schwäbisch Hall 7. Juli 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

hier, inmitten einer malerischen Offerte, die unsere Sinne zu überwältigen scheint, halte ich mich an zwei, nennen wir sie Gesetzmäßigkeiten des schöpferischen Umgangs mit Wirklichkeit, die sich auch als Grundkoordinaten für die Rezeption von Isa Dahls Kunstuniversum anbieten. Die eine dieser Gesetzmäßigkeiten hat Hans Jörg Rheinberger, Kulturphilosoph und ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts in Berlin im Hinblick auf die Historizität von kulturellen Symbolräumen und Bedeutungssystemen so auf den Punkt gebracht: „Alle Innovation ist am Ende in einem fundamentalen Sinne das Resultat von Repetition“. Und weiter: „Auch künstlerische Repräsentation läuft immer wieder auf die Ermöglichung von Neuem heraus, unter den Bedingungen eines differenziellen Anschlusses an das Gewesene."

Eine andere, dem schöpferischen Prozess immanente Gesetzmäßigkeit, betrifft den Umgang mit der Wirklichkeit an sich. Bestimmte Wesensmomente der gegenständlichen Welt werden hierbei in die Abstraktion überführt und gleichzeitig wird diese ins Abstrahiert-Intellektuelle sublimierte Wirklichkeit auf künstlerisch-magische Weise zu einer neuen Wirklichkeit de Sinne aufbereitet, die uns als neue, künstlerische Realität gefangen nimmt.

Isa Dahls Werke eignen sich, besonders aus diesen Blickwinkeln betrachtet zu werden. Wer sie anschaut, hat im ersten Moment den Eindruck, er könne den Malprozess im Geiste nachvollziehen. Man vermeint, die Künstlerin ließe den Betrachter, indem dieser den Linien und Pinselstrichen in ihrem Duktus zu folgen vermag, an der Entstehung ihrer Arbeit teilhaben: Diese prägen sich ihm ein als ein Resultat des mit großer Sicherheit und Energie vollzogenen gestischen Malens, authentisch, oft wuchtig, indem sie auch die unerwarteten Bildzufälle gekonnt ins Ganze einbinden.

Es wäre aber viel zu einfach, die Arbeiten einer Isa Dahl in Anlehnung an das Informel, dessen Einflüsse auch nicht zu leugnen sind, auf die spontane Gestik im Malstil zu reduzieren. Die undogmatische Art ihres Malens, ihr unverkennbar eigener, als neu erfahrbarer Malstil ist im Sinne der anfangs angesprochenen Prinzipien aus Isa Dahls Haltung zu erklären, dass sie unvoreingenommen an die Grundfeste der Malerei, auf das Elementare zurückgeht.

Die Künstlerin baut, ohne irgendwelche kunsthistorische Entwicklungslinien zitieren zu wollen, einzig und allein auf den seit jeher geltenden Grundelementen der Malerei an sich auf: Farbe, Licht, Struktur im Sinne von Komposition als ein im Ausschnitt Gefügtes. Das zusammen sind die Ingredienzen, die Isa Dahl mit einer traumwandlerischen Sicherheit in der Pinselführung zu einem malerischen Œuvre verdichtet, das in Sachen Ästhetik und geistiger Erfahrung von Sinnlichkeit – was kein Paradoxon ist – seinesgleichen sucht.

Die deklarierte Vorliebe der Künstlerin für die Ölfarbe kommt nicht von ungefähr. Indem sie sich für die Materialität dieser Art Farbe interessiert, geraten jene schöpferische Qualitäten Isa Dahls in den Blick, die als ein geradezu sinnliches, tiefliegendes Verständnis für das Wesen dieser Farbe beschrieben werden kann. Unter dem breiten, intuitiv sicheren Pinselschwung, mit dem die Künstlerin ihre an Rahmen gebundene Bildflächen in einem Zuge in rhythmischer Gestaltung vollzieht, fügt sich ihr der flüssige, in einer besonderen Art lichtreflektierende Farbstoff bedingungslos unter. In unterschiedlicher Konsistenz vorbereitet, hat man den Eindruck, hier ein Zu-sich-selbst-Kommen der Ölfarbe zu erleben, ganz im Sinne der Auslotung aller inneren Grenzen, um das Wunderbare, das im Material verborgen liegt, an den Tag zu bringen.

Auf der flachen Leinwand eröffnen sich dem Betrachter plötzlich geheimnisvolle Tiefenräume. Es tun sich einem Orte des künstlerischen Wissens zwischen Erdichtetem, Erahntem und dem Wahren, dem Wahrnehmbaren auf; Kraftfelder verströmen sich im wogenden Auf- und Ab, scheinen über das rigide Geviert eines Bilderrahmens in Fläche und Raum hinüber zu fließen; oder aber sie artikulieren sich explosionsartig im Tondo, das Strukturprinzip der Zirkularität herausfordernd. In jüngster Zeit bevorzugt Isa Dahl die Kreisform, auch weil hier mit den Möglichkeiten der gegenläufigen Drehungen experimentiert werden kann.

Und dann sind wir schon dort, wo sich das Wesentliche dieser Werke artikuliert – bei der Komposition. Das gestische Malen folgt intuitiv und mit großer Sicherheit einem von der Künstlerin verinnerlichten Kompositionsschema, das die Energie des Malflusses zu binden vermag und so die Strukturen schafft, welche Botschaften von Bewegung in sich tragen und beim Betrachter Ahnungen von bewegter, energiegeladener Natur auslösen. Die in mehrschichtig lasuriertem Farbauftrag dynamisierten Pinselbreitbänder mit einer subtilen Binnenzeichnung finden ihre Balance im raumverspannten Zusammenhalt und geben ein dankbares Terrain für Assoziationsketten ab: Schlaufenkombinationen, Wirbel, Netz- und Gitterstrukturen lassen sich im Auge des Betrachters mal rein konstruktiv, mal vegetabil „besetzen“, etwa als greifbare Darstellung lichtdurchfluteter Schlingpflanzen oder aber wogender Unterwassergewächse. Dabei schließt die Bildkomposition, wie es die Malerin stets dezidiert betont, jeglichen vorab festgelegten ikonographischen Sinn aus.

In Wirklichkeit aber schaffen sie doch „nur“ eine lyrisch verdichtete, geheimnisvolle Kunstwelt, die fließt und schwingt, auf- und ausbricht und rückflutet – deren Bedeutungsraum man erahnen aber nie ganz erfassen wird. Wir haben es in den Bildern von Isa Dahl mit einer Kunstrealität zu tun, die neben der Wirklichkeit in parallelen Schritten daher geht, sie begleitend und mal be-, mal entschleunigend wirkt. Es ist eine Kunstrealität, die sich über all die erwähnten Assoziationen in der realen Welt spiegelt, letztlich aber diese in ihrer Essenz, den Grundkoordinaten alles Existierenden – Raum, Zeit und Licht – widerspiegelt.

Und dann das Licht: Im Zusammenspiel mit der Farbe schafft es in unerschöpflichen Kombinationen überwiegend eine pointiert heitere Grundstimmung. Mit Energie überbordend befrachtet, ist es das Licht, das meistens harmonisch von Hell bis Grell, seltener dunkel mysteriös und doch nie schwer, immer aber in seiner Frische das Werk Isa Dahls trägt, womit dieses Werk so dem Kosmos zeitlicher Vergänglichkeit zu trotzen weiß.
Isa Dahls Arbeiten der jüngsten Zeit brechen manchmal aus der stimmungsvollen Gefühlsdichte explosionsartig aus, sie können gar „Gefühlsverbrennungen“ provozieren. Brüche markieren das Lineament der in Wirbeln, Rundungen, Netzen oder aber im Stufenrhythmus versetzten, sich überlagernden Schwüngen der Pinselbänder artikulieren. Irisierende Farbareale schleichen sich ein und erschaffen in einer Transformation von real Erschautem eine abstrakte Komposition, die sich nun erstmals auch mit den Möglichkeiten des Abstrakten Expressionismus auseinandersetzt.

Damit geht Isa Dahls Malerei jenseits der aus Raum und Zeit nur scheinbar herausgehobenen ästhetischen Autonomie ganz unprogrammatisch den grundlegenden Fragen zur Möglichkeit der Kunst in Bezug auf die Reflektion der Zeit, in der sie entstanden ist, nach. Isa Dahls Bildkompositionen lenken den Blick des Betrachters, wie anfangs festgestellt, auf den Mal-Akt selbst. Die Führung des Pinselstriches im Ablauf von Zeit ist für den Betrachter nachvollziehbar, hin und wieder auch der Ansatz der zweiten und dritten transluzid gehaltenen Farbschicht. „Jede Handlung [auch die malerische] hat etwas von einer Erfindung“ – ich zitiere hier aus dem grundlegenden Werk von Georg Kubler The Shape of Time/ Die Form der Zeit, von 1962 – „Es gibt keine zwei Dinge oder Handlungen, die als identisch angesehen werden können, weil sie sich von den zeitlich davor und dahinterliegenden Erfindungen unterscheiden.“ Insoweit erscheint auch jeder Pinselstrich im Bild als eine Fortführung des Vorherigen und eine Vorwegnahme des Künftigen, wobei das Wissen und die Ahnung kultureller vorheriger Erfahrung einer Signatur gleich, ins malerische Handlungsmuster, hier in den Pinselstrich mit einfließen.

Die, mal breite, mal gratig schmale Pinselführung rhythmisiert den Blick des Betrachters. Sie zwingt ihn, ihr über die ganze Bildfläche zu folgen. Der Blick übernimmt und verinnerlicht somit umgehend in einer Transferfunktion der Farb- und Lichtbewegung die Magie des Bildraums, der einen bei Isa auf eine ganz besondere Weise gefangen nimmt. Zweidimensionalität schlägt um in die Illusion räumlicher Wahrnehmung und die Bilder beginnen plötzlich zu pulsieren.

Denn, in diesen Bildräumen findet Narration statt – über die „Nacherzählung“ des Mal-Aktes, im Fluss des Pinselstrichs erzählt sich Zeit selbst. Zeit schreibt sich als Farb- und Blickfluidum im vom Rahmen begrenzten Bildrechteck, im Tondo oder aber in den Blickwinkelwelten der Dreieckgemälde ein.

Es entsteht so ein wirkungsmächtiges, malerisches Essay rund um Zeit, Raum und Licht, in dem die von der Künstlerin in die Bildfläche gesetzten, ureigenen Signaturen, „die Magie romantischer Hieroglyphenschrift“, um mit Jaques Rancière zu sprechen, verströmen. Isa Dahl beteiligt sich auf ihre ganz eigen Weise letztlich an nichts Geringerem als an der großen zeitgenössischen Narration von Kunst und Menschheit, „auf dass die Geschichte des Menschen weitererzählt werden kann, mitsamt der Poesie, die das Geheimnis in die Welt schreibt, ohne es zu verletzen.“

Dr. Irmgard Sedler

© für alle Texte liegen bei dem jeweiligen Autoren

 

   
  Dr. Sabine Heilig: Textauszug aus Katalog Isa Dahl JETZT , 2013

Über den Umgang mit der Farbe

„Ich mache nichts anderes als zu malen und wenn ich nicht male, dann denke ich darüber nach.“ (Isa Dahl 2012)

Ob Naturraum oder Stadtraum, Isa Dahls Blicke fallen auf Unspektakuläres, Kleinigkeiten am Wegesrand, städtische Winkel, Orte, die meist als uninteressant und belanglos links liegengelassen oder übersehen werden. Von diesen Orten macht sich die Malerin ein Bild, oft mit dem Fotoapparat, dessen Aufnahmen ihr als Erinnerungsspeicher dienen. 
Das Thema der Zeit, das in der Expressivität ihrer Malerei, in der dargestellten Bewegung im Bild sowie in der Vorstellung des abgelaufenen Entstehungsprozesses Ausdruck findet, ist ein wesentliches Element ihrer Malerei. Isa Dahl malt konzentriert, mit weit ausholenden Gesten, die das Bildmaß abmessen. Körpergefühl und Bildgefühl sind bei Isa Dahl eins. Ihr Tempo bestimmt das Tempo des Bildes, das in einem Zug, ohne lange Unterbrechungen gemalt wird. Korrigiert wird nur im Malprozess selbst. Im In-, Über- und Untereinander der Pinselbahnen und Farbschichten, im streifigen, verwischenden und sich konzentrierenden Liniengeflecht manifestiert sich ihre unverkennbare und ganz individuelle Sprache. Mit der Spur eines Goldfisches im Wasser1 könnte man sie vergleichen oder mit dem Flug einer Fliege, die kreisend ihren Landeplatz taxiert. 
Isa Dahl geht nahe heran an ihre Motive. Der Betrachter verstrickt sich in ihren atmenden Linienschwüngen, wird hineingezogen ins Bild. Ihre Bilder betrachte man nicht einfach, sondern man würde von ihnen aufgenommen2, heißt es. Die Farben pulsieren, der Bildraum bewegt sich vor und wieder zurück. Trotz allem nach außen hin so scheinbar Impulsiven muss klar sein, dass Isa Dahl eben keine intuitive Malerei betreibt. Kleine Zeichnungen mit Tusche, in Pastellkreiden oder Buntstiften bereiten die Kompositionen vor. Die Skizzen dienen der Systematik des Bildaufbaus.
Dabei lässt sich die Malerin in ihrem Tun von der Farbe und ihren Eigenschaften leiten. Wichtig ist ihr, „... nur dieses Umgehen mit der Farbe, wie sie reagiert, wie sie ineinanderfließt oder hart nebeneinandersteht, wie sie riecht, das ist einfach alles wunderbar“3, sagt sie darüber. Isa Dahl verwendet keine reinen Farben, sondern Farbmischungen, die auf der Leinwand zu wieder neuen Mischungen vermalt werden. Ihre Palette besteht überwiegend aus den Primärfarben Rot und Gelb sowie den Sekundärfarben Grün und Orange. Also Farben, die als warm (Rot) und lichtvoll (Gelb) oder fruchtbar (Grün) beschrieben werden.
Allein die vielen farblichen Abstufungen innerhalb der Bilder von Isa Dahl, welche die verwendeten Farben einander annähern, spiegeln den Facettenreichtum ihrer Malerei und das breite Spektrum ihrer Wirkungen. Die luziden Farbschichten in ihren Bildern, aus denen heraus das Licht den Bildraum gleichmäßig ausleuchtet, erzeugen eine räumliche Spannung. Sich konzentrierende Farbspuren und –schlieren lenken den Blick des Betrachters zu immer tiefer liegenden Bildschichten. Die Unendlichkeit des Bildraumes, die die Künstlerin mit dieser Art der Malerei erzeugt, macht selbst vor den Begrenzungen der Bildfläche nicht halt. Formabbrüche und –überschneidungen am Bildrand bewirken einen ausschnitthaften Eindruck.


1 Isa Dahl in: Katalog SüdWestGalerie 2002, S. 21
2 Zur Ausstellung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, 2012
3 Katalog der Stadt Waiblingen, 2003, o.S.

© Dr. Sabine Heilig, Nördlingen

About interacting with colour

“I don’t do anything except paint. And when I am not painting, I am thinking about painting.” (Isa Dahl 2012)

Whether nature or urban space, Isa Dahl’s glance falls on unspectacular, trivial things at the roadside, in dark corners of the city, places that are usually uninteresting and forgotten or that have simply been overlooked. The artist often takes pictures of such things and uses these images to remind her.
The subject of time is a fundamental element of her art work, expressed by the eloquence of her painting and in the movement depicted in her work, as well as in the creative process itself. Isa Dahl paints in a very concentrated way, with wide sweeping gestures that measure the dimensions of the image. For Isa Dahl, body and image are one. Her speed determines the speed portrayed in the image, which is painted in one long stroke without any long pauses. Corrections are only carried out during the painting process itself. Her unmistakeable and unique style manifests itself in the in, over and overlapping of the brush strokes and layers of colour, in streaks, disappearing and concentrated webs of lines. One could compare them to the trail of a goldfish in water,1 or with the flight of a fly circling down to its chosen landing place. 
Isa Dahl gets up close to her subject. The observer gets lost in her brush strokes and is drawn into the painting. It could be said that one cannot simply look at her paintings, but rather that one is absorbed by them.2 The colours pulse, and the spatial dimensions of the image appear to make it move forwards and backwards; but despite their seemingly impulsive aesthetic, it must be made clear the Isa Dahl is not an intuitive painter. Small drawings in Indian ink, pastels or coloured pens help to prepare the composition. The sketches serve as part of the systematic development of an image. Although, the artist does let herself be influenced by the colours and their own distinct characteristics. It is important that, “... this interaction with colours, how they react, how they flow into one another or exist next to each other, how they smell, that is all simply wonderful”3  says Isa Dahl. She uses no pure colours, but rather mixtures of different colours that in turn are mixed anew when applied to the canvas.
Her palette comprises mainly the primary colours red and yellow, as well as the secondary colours green and orange. So colours that can be described as warm (red) and bright (yellow) or fertile (green). 
In Isa Dahl’s paintings, just the shades of colours alone bring the solid colours closer together and reflect the multifaceted nature of her paintings and the wide spectrum of their effect. The spatial tension in her paintings is created by lucid layers of colour, which emit an even light from within the spatial depths. Concentrated traces of colour and streaks of paint control the perspective of the observer, guiding them towards the deeper layers within the image. The infinity of the spatial dimensions, created by the artist’s painting style, is not controlled by the boundaries of the canvas. Interruptions in the style and overlaps at the edge of the paintings give them an almost ‘cut-out’ appearance.  

1 Isa Dahl in: Katalog SüdWestGalerie 2002, S. 21
2 Zur Ausstellung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, 2012
3 Katalog der Stadt Waiblingen, 2003, o.S.

© Dr. Sabine Heilig, Nördlingen

 

   
  Isa Dahl zeigt drei ihrer seriellen Werkgruppen in den Räumen des Museums: „Augenblicke lang“ die tondoförmigen Rundbilder „eben still“, und Arbeiten aus der Serie „in Sicht“
Bereits an den Titeln ist der transitorische Charakter ihrer Bildmotive ablesbar.
In den Rundbildern wird der Blick des Betrachters durch eine undefinierte, aus dem Zentrum gerückte „Leerstelle“ fokussiert. Der Tiefenraum wird darüber hinaus durch die für Dahls Malweise charakteristische Lasurtechnik und die räumlichen Überlagerung der Strukturen erzeugt, die zum Bildhintergrund hin unscharf werden. Auf diese Weise entsteht ein perspektivischer Raumkörper, von dem der Betrachter angezogen und mehr noch: in den er hineingesogen wird. Die runde Bildform, rotierenden Strukturen als auch die Blickführung des Betrachters sorgen für einen konzentrierten energetischen Ausgleich von Ruhe und Dynamik, Stabilität und Labilität: „eben still“.
In „Augenblicke lang“ wird die Wahrnehmung des Betrachters nicht durch einen „Blickanker“ fokussiert, vielmehr wird – vor allem in einigen Bildern der hochrechteckigen Formate – der Bildraum in seiner ganzen Weite entfaltet und durch die ausholende Gestik der Pinselstriche aufgeladen. Dies geschieht vor einem Hintergrund, dessen abstraktfarbiges Changement die bis zur Dramatik gesteigerte Expressivität der Pinselstriche als leuchtende Folie mit unbestimmter Räumlichkeit hinterfängt. Im Vergleich zur Serie „eben still“ wirken die verschlungenen Strukturen weniger fest umrissen, labiler, spontaner, gestischer, tritt die Formulierung der Strukturen als „brushstrokes“, als reine Malerei stärker in den Vordergrund. „Augenblicke lang“ sind gestische Erzählungen ohne Anfang und ohne Ende, sind scheinbar zufällig gewählte Ausschnitte aus der Flut des Vorhandenen und Gesehenen.
Verdichtung und Expansion im Kontext von Farb- und Strukturräumen – diesen Grundverfassungen bildnerischen Gestaltens begegnen wir in den unterschiedlichen Werkgruppen Isa Dahls immer wieder aufs Neue. So zeigt die Serie „In Sicht“ der Schwerkraft unterworfene, hängende Geflechte von großer Leichtigkeit. Auch wenn die Binnenräumlichkeit dieser Arbeiten den Betrachter an nestartige Gebilde erinnert, sollte ihn die Darstellung eines vermeintlich konkreten Bildgegenstandes nicht über die genuin malerischen Intentionen der Künstlerin hinwegtäuschen. Auch in dieser Serie geht es Isa Dahl um die Auslotung eines raumzeitlichen Bildkontinuums durch Form und Farbe, um labile Gleichgewichtszustände, hervorgerufen durch die an sich paradoxe Arretierung flüchtiger Momente im Medium des Tafelbildes, um die konkrete Präsenz und körperlich erfahrbare Intensität leuchtender Farbräume.

© Dr. Velten Wagner, Kunstmuseum Engen
aus dem Katalog: Blow Up, Hrsg.Städtisches MuseumEngen + Galerie, 2006.

 

   
  Wenn man Isa Dahl zunächst den abstrakt arbeitenden MalerInnen zuordnen würde, drängt es sich auf, das Gemälde mit diesem Bild aus der Natur zu beschreiben. Isa Dahl nutzt in ihren Arbeiten gerade dieses Changieren zwischen Abstraktion und Realitätsbezug für eine differenzierte Beschäftigung mit Farbe, Raum und Struktur in der Malerei.
Sie arbeitet in einer Lasurtechnik, die ein schnelles und konzentriertes Handeln verlangt. Schicht um Schicht der transparenten Farbe wird aufgetragen. In ihren Gemälden erreicht sie dadurch eine enorme Bildtiefe und große Leuchtkraft.
Dies kann das Thema von Licht und Dunkel sein, das sie noch vor einigen Jahren intensiver beschäftigt hatte, oder die Auseinandersetzung mit der spezifischen Leuchtkraft jeder einzelnen Farbe und ihrer Möglichkeiten, wie dies in den jüngeren Bildern zu beobachten ist.

© Dr. Matthia Löbke, Kunstverein Heilbronn
aus dem Katalog: European art from Germany, 20 Positionen zeitgenössischer Malerei,
Hrsg. ECB Europäische Zentralbank Frankfurt am Main, 2004.

 

   
  Isa Dahls Bilder handeln nicht nur von der Malerei als Malerei; sondern die Art der Darstellung ist von entscheidender Bedeutung, spielt sie doch mit Errungenschaften der Klassischen Malerei, deren Tradition sie aufgreift und in einen neuen Kontext setzt.
Es geht um die Wirkung von Farbe als autonomes Medium und um die Erzeugung von Wirklichkeit, die eine gewisse Verwandtschaft zu Sehmustern besitzt, die in unserem Hirn gespeichert sind.

© Dr. Helmut Herbst, Waiblingen
aus dem Katalog: Isa Dahl, eben still, Städtische Galerie „Kameralamt“, Waiblingen, 2003.

 

   
  Isa Dahl baut ihre Bilder aus unzähligen Farbschichten auf. Schlieren, Wischer, Einschlüsse, die Spur des Pinsels , der bewegte, schnelle Duktus - all dies sind wesentliche Elemente der Bildgestaltung; rücken den Malprozess in den Mittelpunkt der künstlerischen Intention und auch der Seherfahrung des Betrachter.

Die Farbe ist für Isa Dahl nicht einfach deren farbliche Erscheinung.
Es interessiert sie gleichwertig ihre Materialität, Konsistenz, Dichte, Oberfläche, Räumlichkeit, Bewegung und Lichtfülle, aber auch deren Verhältnis zur Textur des Bildträgers, die simultane Vielfalt oder die sinnliche Wirkung der Farben, d.h. die Arbeit mit und das Erlebnis der Farbe sind das Primäre.
Eine mehrfach strukturierte entstofflichte Bildräumlichkeit entsteht, aus deren Tiefe ein geheimnisvolles, farbiges Leuchtlicht geheimnisvoll aufscheint. Der Blick wird in das Bild hineingezogen und ruht doch immer wieder auf der Oberfläche der letzten glänzenden Malschicht. Es ist dieses geheimnisvolle Leuchtlicht, das Isa Dahls Gemälden eine eigentümliche, verweisende Intensität verleiht. Es entstehen Werke, die Stille einfangen, die Stille speichern und diese Stille wieder ausströmen.
Die Polivalenz dieser Bilder zwischen Erinnerung und malerischer Auflösung, zwischen Erscheinung und Orozess, zwischen Farblicht und Oberfläche, Raumtiefe und Struktur, zwischen „reiner Malerei“ und Transzendenz ist es, die ihnen zugleich Eigenständigkeit wie Zeitbezug verleiht.

© Christoph Bauer, Kunstmuseum Singen
aus dem Katalog: Isa Dahl. Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendium 2000,
“Farbe, Licht, Raum, Struktur.Einige Bemerkungen zur malerischen Intensität Isa Dahls“, 2000.

 

   
  Die Einfachheit der Formen in Isa Dahls Bildern überrascht, ja verblüfft, weil zugleich die malerische Wirkung -von der Fläche in den Raum hinein- ganz außerordentlich ist.
Das Spiel der Farbe um die Kontur, die Lichtfugen, die diszipliniert verlegt sind, der Tiefenraum, der von der Künstlerin erzeugt wird, das alles macht dir seltsam ruhige Ausdruckskraft der Bilder aus.

© Günther Wirth
aus dem Katalog:Räume Innen Aussen Räume “Der Raum als Bildwirklichkeit“, Esslingen, 1997.

 

   
  Isa Dahl arbeitet seriell und stur an Strukturen und Zwischenräumen. Das Thema wird in einer beispielhaft radikalen Systematik aufgegriffen und durchgespielt. DasErgebnis, als Hell-Dunkel-Kontrast einfachster Strukturen in.Naß-in.Naß-Technik erzeugt, ist simpel, in sich logisch und klar. Immer sucht sie nach der Farbtiefe, nach dem imaginären Bildraum. Es ist “nur“ pure Malerei, ist “nichts“ als Abstraktion.

© Dr. Helga Meister, Düsseldorf
aus dem Katalog: Das banale Schöne, “Isa Dahl-Lichtgründe“, Düsseldorf, 1997.

 

   
  ....Die Dahl erfindet die „grüne Stunde“. Grünschwelende Zeit, wenn der Abend noch nicht Nacht geworden ist. Mit all ihren grünen Schmetterlingsnetzen und Fischreusen stellt die Dahl Fallen und fängt Geheimnis ein. Gut tuende und keineswegs langweilige Stille verfängt sich in Isa Dahls Netzwerk. Schatten, Böcklinische Zypressen-Schattenreiche verfangen sich in den Dahl-Farb-Maschen.

© Joachim Burmeister
aus dem Katalog: Isa Dahl- Nach Firenze, Katalog, “Das Florenz der Isa Dahl“,
hg. Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, 1996.

 

   
  Intensives Arbeiten, umfangreiche Bilderserien - nichts skizzenhaft Unfertiges, immer ausgeführte Taten.
Von einer Grundfigur abgelöste Einzelvorstellungen werden durch das Malen neu verschmolzen. Das permanente malerische Handeln ist das Entscheidende.
Es ist keine Malerei der Einfälle, der vorgeführten oder verborgenen Inhalte. Verborgen wird die Bildtiefe, gezeigt wird der Pinselstrich.
Der minimal eingesetzte Illusionismus bewirkt eine Oberflächenvergrößerung für die Entfaltung einer malerischen Struktur.
Wirklichkeitszitat und Selbstbehauptung der Malerei verbinden sich und werden durch das all over painting mit dem Format verklammert.
Die Bilder werden zunehmend komplexer, eigenartiger, dabei malerisch reiner, großzügiger.
... eine geistige Produktion, die sich selbst zu verproviantieren beginnt, ohne anämisch zu werden...

( Ludwig Hohl, Vom Arbeiten Bild )

© Dieter Krieg
aus dem Gutachten zum Graduiertenstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen, 1993.